Kraftsport Spartenleiter Günter Lüdecke hat den VfB 07 Klötze dank harter Arbeit in die 1. Bundesliga geführt

Ohne Günter Lüdecke würde in Klötze weder Bundesligawind wehen noch die Sparte des VfB 07 wohl überhaupt existieren. Der mittlerweile 68-jährige Westaltmärker gründete selbige vor 37 Jahren und hat sie mittlerweile zu einem echten Aushängeschild des Vereins gemacht.

Als Aktiver, Trainer und Spartenleiter hat Günter Lüdecke den VfB 07 Klötze durch viele tolle Erfolge auch international bekannt gemacht. Foto: Florian Schulz

Klötze l Günter Lüdecke ist der Vater des Kraftsports beim VfB 07 Klötze. Er hat die Sparte nicht nur aus der Taufe gehoben, sondern den VfB mit ins deutsche Oberhaus geführt und sich selbst als Welt- und Europameister auch international einen Namen gemacht. Da sei die Frage erlaubt: Wie geht es weiter, wenn Lüdecke irgendwann mal nicht mehr die Geschicke in Klötze leitet?

Radsport ist auf Dauer zu zeitaufwendig

Der gebürtige Purnitzstädter begann seine sportliche Laufbahn als Zwölfjähriger als Judoka in der Polizeisportgruppe in Klötze. „Das hat durchaus Spaß gemacht und ich hätte das auch gern weiter ausgeübt“, verrät Günter Lüdecke. Da allerdings im Laufe der Jahre kein Trainer mehr zur Verfügung stand, war Schluss. Mit 14 Jahren war Lüdecke als Boxer in seiner Heimatstadt aktiv. 1965 entdeckte der Westaltmärker dann allerdings sein Interesse am Radsport. In Kalbe/Milde befand sich eine Außenstelle von Dynamo Berlin. Mit mehreren Klötzern reiste Lüdecke zweimal wöchentlich an die Milde zum Training, die Wettfahrten wurden meist an den Wochenenden durchgeführt. „Es war insgesamt eine schöne Sache, allerdings auch sehr zeitaufwendig“, verrät der 68-Jährige, der vor dem Eintritt in den Verein auch schon die kleine Friedensfahrt in Klötze gewonnen hatte. Als Lüdecke später eine Familie gründete, beendete er seine Radsport-Laufbahn. Doch gänzlich ohne Sport – das ging auch nicht. Während seiner Armeezeit fand der Westaltmärker plötzlich Gefallen am Kraftsport. „Ab sofort schlug mein Herz mehr dafür“, gesteht der 68-Jährige.

Im November des Jahres 1968 kam Günter Lüdecke zur Armee. Dort wurde der „Stärkste Mann der Armee“ in verschiedenen Disziplinen wie Klimmzüge, Kniebeuge und Schlusssprung gesucht. „Bei mir sah das eigentlich schon immer ganz gut aus, so dass ich auch zu mehreren Wettkämpfen geschickt wurde“, erinnert sich der Klötzer, der auch in seiner Freizeit viel trainierte und großen Ehrgeiz entwickelte, zurück. Nach anderthalb Jahren schaffte Lüdecke dann bereits über 30 Klimmzüge sowie acht Meter im Dreisprung. Mit 78 Beugestützen in nur drei Minuten stellte der Westaltmärker noch im gleichen Jahr einen neuen Armeerekord auf, was auch in der „Neuen Welt“ gewürdigt wurde. „Diesen Zeitungsartikel habe ich noch immer bei mir zu Hause“, berichtet der 68-Jährige, der am Finale der Grenztruppen in Falkensee (Berlin) teilnahm, stolz. Nach seiner Armeezeit schloss sich Günter Lüdecke vorerst wieder seiner alten Liebe, dem Radsport, an. Allerdings nur für ein Jahr, denn dann stand vor allem die Familie im Fokus.

Weil der Kraftsport weitaus weniger Zeit in Anspruch nahm, beschloss Lüdecke 1972, bei der Armee-Außenstelle in Klötze nachzufragen, ob er dort sportlich einsteigen kann – mit Erfolg. „Bis zur Wende bin ich dabei geblieben“, verrät der Mann von der Purnitz. Zwei Jahre später qualifizierte sich Günter Lüdecke erstmals für das Armeefinale der Grenztruppen Nord. „Eigentlich hätte ich dort gar nicht starten dürfen, doch irgendwie wurde das doch noch geklärt“, so der Sportenthusiast. Allerdings nahm er auch an weiteren armeeinternen Wettkämpfen teil – und das durchaus erfolgreich. Sein größter Erfolg war der zweite Platz beim Armeefinale in der Altersklasse I. Insgesamt beteiligte sich der Klötzer, nebenbei unter anderem auch Grenztruppenmeister, ganze 17 Mal an diesem bedeutenden („Das war immer wieder ein Erlebnis“) Wettkampf, der unter anderem in Suhl, Leipzig, Neubrandenburg oder auch Rostock über die Bühne ging.

Drei Bezirksmeistertitel gleich in der Anfangszeit

1975 wurde Günter Lüdecke von der Betriebsschule (BBS) Klötze gebeten, die Lehrlinge in der Betriebsschulsportgemeinschaft (BSSG) zu trainieren. Für Lüdecke war es auch ein Stück weit eine Ehre, so dass er sich dazu bereit erklärte. In der altehrwürdigen Sporthalle in Klötze probte der heute 68-Jährige mit dem Nachwuchs. Gesucht wurde damals der „Stärkste Lehrling“. Fünf Jahre später kam der Westaltmärker einer weiteren Bitte nach. Manfred Lietze, damaliger Kreisvorsitzender des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB), erkundigte sich nach Lüdeckes Bereitschaft, in Klötze eine eigene Sparte zu gründen. „Da brauchte ich ehrlich gesagt schon ein wenig Bedenkzeit, denn ich dachte mir: Wenn wir so etwas anfangen, dann ganz oder gar nicht. Letztendlich habe ich mich bereit erklärt, das in die Hand zu nehmen“, verrät der 68-Jährige. Während im Kinderbereich Gewichtheben durchgeführt wurde, betrieben die Erwachsenen Kraftsport. Die Erfolge stellten sich schneller als womöglich erwartet ein. Denn von 1980 bis 1990 feierten die Klötzer gleich drei Bezirksmeistertitel. Auch im Gewichtheben kamen Bezirksmeistertitel und Spartakiade-Siege dazu. Der VfB bestritt damals auch mehrere Vergleichskämpfe mit Bankdrücken, Kniebeugen, Klimmzügen und Schlusssprüngen. Kreuzheben gab es damals übrigens noch nicht.

Nach der Wende mussten sich die Purnitzstädter dann entscheiden, wie es weitergeht. Sie stiegen gänzlich auf Kraftsport um. „Wir hatten schließlich viele Erfolge vorzuweisen, waren im Juniorenbereich in Sachsen-Anhalt weit oben dabei“, erläutert Günter Lüdecke. Ab 1990 standen nun also Kraftdreikampf und Powerlifting auf der Agenda, Gewichtheben wurde gänzlich abgeschafft. Auch die Titel „Stärkster Mann der Armee“ und „Stärkster Lehrling“ wurden nicht mehr vergeben. Dafür gab es für die VfB-Sparte mit der Zeit andere, wohl weitaus bedeutendere Titel zu gewinnen. So feierten die Klötzer beispielsweise 2007 die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Kraftdreikampf in Wiesbaden. Gleiches schafften die Westaltmärker auch 2010 in Warsow noch einmal. „Wir hatten damals 1,6 Zehntelpunkte Vorsprung. Das lag daran, dass ich meinen Jungs gesagt habe, dass sie beim Wiegen die Unterhosen ausziehen sollten. Für uns war das letztendlich entscheidend“, erinnert sich der Trainer und Spartenleiter, der diese kuriose Geschichte sogar im Fernsehen erzählte, mit einem Schmunzeln zurück. Doch nicht nur im Erwachsenenbereich räumte der VfB ab, sondern auch die Leistungen der Junioren konnten sich sehen lassen. Diese wurden von 2005 bis 2007 dreimal hintereinander Deutscher Meister. „Die Nachwuchsarbeit hatte bei uns schon immer einen großen Stellenwert“, verrät Lüdecke. Der wurde selbst 2008 Weltmeister in Kalifornien und 2013 in Texas – übrigens jeweils im Bankdrücken. Doch unerwähnt möchte der Spartenchef keineswegs den Europameistertitel Sven Rogalskis 2016 sowie den zweiten Platz von Christoph Erbs bei den Arnolds-Classics im Kreuzheben vor vier Jahren lassen. „Das waren sagenhafte Leistungen“, fügt der 68-Jährige anerkennend an.

Günter Lüdecke selbst musste früher im Pferdestall trainieren, Klimmzüge wurden in der Scheune durchgeführt. Später ging es mit der Sparte in den Keller der BBS Klötze, wo im Laufe der Zeit immerhin drei Räume zur Verfügung standen. Danach wurden dem VfB in der Purnitzschule zwei Klassenzimmer überlassen. Nach der Wende mussten die VfB-Kraftpakete aber wieder in den BBS-Keller ausweichen. Erst 1998 zogen sie in die neugebaute Zinnberghalle um. Dort hatten die Klötzer dann auch die Möglichkeit, ihre Materialien unterzubringen. „Zuvor mussten wir die Geräte, die in der Allende-Sporthalle gelagert waren, immer mit dem Multicar umher transportieren“, verrät Lüdecke. In der Zinnberghalle bekam die Sparte einen Kraftraum zur Verfügung gestellt. „Der ist allerdings mittlerweile leider etwas zu eng. Wir werden uns noch einmal an den Bürgermeister wenden und für eine Vergrößerung kämpfen. Bei anderen Vereinen sind die Räumlichkeiten weitaus größer, das sind ganz andere Dimensionen“, verrät der Sektionsleiter. Klötze ist mittlerweile auch Landesleistungsstützpunkt in Sachsen-Anhalt und kämpft mit seiner Aktiven-Mannschaft (Herren) seit 2001 in der 1. Bundesliga um Punkte. Zuvor waren die Purnitzstädter 1998 aus der Landesliga in die 2. Bundesliga aufgestiegen. „Dafür haben wir allein schon drei Jahre benötigt“, so Lüdecke, der selbst maßgeblich am Erfolg beteiligt war.

Familie des Spartenleiters hilft fleißig mit

Die Sparte des VfB 07 Klötze zählt mittlerweile um die 40 Mitglieder, die sich auf den Jugend-, Junioren-, Aktiven- und Seniorenbereich verteilen. „Die Zahl ist über die Jahre immer ungefähr gleich geblieben. Leider ist es heutzutage so, dass uns durch die Fitnessstudios viele vermeintliche Talente verloren gehen“, bedauert Günter Lüdecke. Der Zusammenhalt in der Sektion Kraftsport passte immer. „Sonst wären die Erfolge auch nicht möglich gewesen“, verrät der 68-Jährige. Er selbst versucht – genau wie seine Mitstreiter – noch immer „das Beste draus zu machen“. Da die Begeisterung an dieser Sportart auch im Alter noch kein Stück gelitten hat, auch die Familie immer hinter ihm steht, sieht sich Lüdecke noch lange nicht am Ende seiner Laufbahn. Seine Ehefrau Monika begleitete ihn unter anderem auch schon zu Wettkämpfen in Indien und Kanada. Bei Heimwettkämpfen fungiert sie oftmals als Protokollantin. Aber auch die Kinder und Enkelkinder sind mittlerweile als Helfer dabei, was den Spartenleiter, der auch bei der Leitung seines Betriebes immer auf großes Verständnis stieß, besonders freut.

Im kommenden Jahr feiert Günter Lüdecke übrigens ein Jubiläum. Dann befindet er sich 50 Jahre im Kraftsport-Geschäft. „Insgesamt bin ich, sicherlich mit einigen Ecken und Kanten, gut über die Zeit gekommen. Ich hatte immer nur kleine Wehwehchen und habe so kaum mal eine Deutsche Meisterschaft versäumt“, blickt Lüdecke, der in diesem Jahr 69 wird, zurück. Ab 2018 wird der Klötzer in der Altersklasse IV (ab 70 Jahre) aktiv sein. „Natürlich wird es im Alter schwieriger, die Fitness zu halten. Ich möchte aber auf jeden Fall versuchen, mir den Deutschen Rekord in der Kniebeuge zurückzuholen“, verrät der Westaltmärker. Dieser liegt momentan bei 225 Kilogramm. Dabei hatte Günter Lüdecke 2009 bei der DM in Zahna sogar 238 Kilogramm in der Altersklasse III (bis 82,5 Kilogramm) zur Hochstrecke gebracht. Dieser Rekord ist allerdings durch Umstrukturierungen im Verband eingefroren. Lüdeckes Bestleistungen mit 245 Kilogramm im Kreuzheben, 250,5 Kilogramm auf der Bank, 43 Klimmzügen, 8,16 Metern im Schlussdreisprung, 143 Beugestützen in drei Minuten und 96 Kniebeugen mit der 50-Kilogramm-Hantel können sich durchaus sehen lassen. „Ich denke, da ziehen die Jungs doch schon den Hut vor mir. Allerdings braucht man dafür auch vier- bis fünfmal Training pro Woche“, so der Purnitzstädter.

Aktuell wird in Klötze montags, dienstags, donnerstags, freitags und sonnabends geprobt. „Dass ich selbst immer noch mittrainiere, ist, denke ich, für die Jungs noch eine Motivation. Sie sehen, was möglich ist. Zudem tut ihnen auch ein Blick in die Rekordliste immer mal ganz gut. Wenn sie sehen, dass sie ganz dicht dran sind, sind sie auch noch mal ein Stück mehr motiviert“, erklärt der ehrgeizige Spartenleiter. Da möglichst keine Trainingseinheit ausfallen soll, ist er auch selbst immer im Kraftraum der Zinnberghalle dabei. „Irgendwann kommt sicherlich auch mal der Punkt, wo ich die Verantwortung abgeben muss. Doch das hat noch Zeit“, beruhigt der Sektionsleiter seine Schützlinge. „Ich spreche Fehler auch klar an. Die Jungs – jeder kann natürlich auch seine eigenen Wünsche äußern – wollen nach jedem Wettkampf eine Auswertung haben. Da nehme ich dann kein Blatt vor den Mund“, verrät der 68-Jährige, der als Kampfrichter übrigens über die Bundeslizenz verfügt.

Froh über Neuformierung des Vorstandes im Verein

Das Team der Aktiven, in der 1. Bundesliga Nord unterwegs, betitelt Günter Lüdecke als „Aushängeschild“ der Sparte. „Wir hatten sicherlich auch schwere Zeiten, in denen wir die Klasse gerade so gehalten haben. Da fehlte auch der Nachwuchs. Der ist mittlerweile wieder da. Ich persönlich hoffe, dass die Youngster auch bald soweit sind, dass sie in der Bundesliga mitwirken können. Ich hoffe natürlich auch, dass sie möglichst auch nach der Schule bei uns bleiben“, legt Lüdecke generell viel Wert auf die Nachwuchsabteilung. So ist die Hoffnung, dass die Klötzer auch bald wieder bei Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im Kraftdreikampf weit vorn mitmischen können, groß. „Allerdings fehlt uns aktuell ein 470-Punkte-Mann. Einen solchen als Gaststarter zu verpflichten, ist auch nicht einfach“, weiß der Spartenleiter. Die Herren-Vertretung des VfB befindet sich in der Nordstaffel als gegenwärtiger Tabellenzweiter hinter dem KBV Bautzen auf Finalkurs. Dieses wird am 27. Mai in Randersacker über die Bühne gehen. „Für mich sind dort aber Darmstadt und Mainz, die das Klassement im Süden souverän anführen, die klaren Favoriten. Die Südstaffel ist momentan einfach stärker, vor gut fünf Jahren war das noch anders“, schaut der 68-Jährige voraus. Der freut sich über die Neuformierung des Vorstandes im Gesamtverein: „In den letzten Jahren ist da leider wenig passiert. Mittlerweile stimmen die Finanzen wieder und es scheint zu laufen.“ Auch der neue Vorsitzende Stefan Lietze ließ sich, auch wenn er der Handballsparte angehört, schon bei den Kraftsportlern sehen und stellte sich vor. „Ich denke, unsere Erfolge werden im Verein schon gewürdigt“, so Günter Lüdecke.

Der Routinier, der sich aktuell mit einer Schulterverletzung herumplagt, hat sich für das nächste Jahr noch einiges vorgenommen. So möchte er sich an der Deutschen Meisterschaft im Kraftdreikampf beteiligen, ebenso wie an der Europameisterschaft im tschechischen Pilsen. Ob seine Reise auch zur Weltmeisterschaft in die Mongolei führen wird, ist aktuell noch unklar. „Ein paar Rekorde würde ich gern noch knacken, auch wenn es natürlich von Jahr zu Jahr schwieriger wird“, denkt der 68-Jährige an seine Gesundheit. Für die Gesamtsparte wünscht sich das Urgestein, dass die Erfolgsserie fortgesetzt wird. „Im Aktiven-Bereich würde ich mir mal wieder ein Mannschaftsfinale in der 1. Bundesliga wünschen, doch auch im Nachwuchs hoffe ich auf die eine oder andere gute Platzierung bei Deutschen Meisterschaften“, so der Westaltmärker. Auch wenn Günter Lüdecke eines Tages mal aus dem Geschäft aussteigt, soll es bei den Kraftsportlern des VfB 07 Klötze weitergehen – und das möglichst erfolgreich.

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