Bohlekegeln Erfolgreicher Nachwuchs möchte mit Heimatclub hoch hinaus / Top-Ergebnis bei Deutscher Meisterschaft


Bei den Deutschen Meisterschaften Dreibahnen (Bohle, Asphalt, Schere) holten Richard Albrecht (links) und Dustin Schulze (rechts) die Silber- und Bronzemedaille bei den Junioren. Die Nachwuchskegler des SV Binde feiern seit Jahren Erfolge auf Landes- und Bundesebene.Foto: privat

Richard Albrecht und Dustin Schulze von den Bohlekeglern des SV Binde haben im Alter von 22 Jahren bereits mehr Titel gesammelt, als viele Sportler am Ende ihrer Karriere. Vor kurzem belegten sie Platz zwei und drei bei Deutschen Meisterschaften. Marco Heide VOLKSSTIMME sprach mit den beiden über das Kegeln und ihre sportlichen Ziele für die Zukunft.

Volksstimme: Wie seid ihr zum Kegeln gekommen?

Richard Albrecht: Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, hat mich mein Vater zum ersten Mal zum Kegeln nach Binde mitgenommen. Sonntags haben wir dann ab und zu gekegelt. Das war mein erster Kontakt zum Kegeln. Das hat sich immer weiter vertieft. Als ich dann in der fünften Klasse war, habe ich bei meinen Mitschülern und Freunden rumgefragt, wer Interesse am Kegeln hätte, da mein Vater zu der Zeit ein Jugendtraining geleitet hat. Anfangs meldeten sich sechs bis sieben Leute. Da gings dann richtig los.

Dustin Schulze: Richard hat damals in der Schule gefragt, ob jemand Lust hätte, mit dem Kegeln anzufangen und mal bei einem Probetraining reinschnuppern möchte. Dieses Angebot nahm ich an und das Kegeln hat mir sofort Spaß gemacht. Ein weiterer positiver Aspekt: Die Bahn war zu der Zeit nur zwei Häuser von zu Hause entfernt.

Wie lernt man so gut kegeln wie ihr?

Albrecht: Talent und das frühe Einsteigen in die Sportart sind förderlich. Beim Kegeln ist das Training in den Anfangsstunden entscheidend, damit man gleich die richtige Technik erlernt, um einen sauberen Stil zu etablieren. Der saubere Stil ermöglicht es, konstant auf allen Bahnen gute bis sehr gute Leistungen zu bringen. Und diese Konstanz ist so wichtig, da alle Bahnen unterschiedlich zu spielen sind und der perfekte Wurf ist für jede Bahn ein anderer. Um diesen Wurf umsetzen zu können, haben wir im Training spezielle Übungen gemacht, von denen ich das Gefühl habe, dass sie geholfen haben.


Richard Albrecht kegelt für den SV Binde in der 2. Bundesliga. Foto: Koepke VOLKSSTIMME

Schulze: Es gehört schon ein gewisses Talent dazu. Natürlich kann man auch sehr viel mit Training und Ehrgeiz erreichen. Die starke Mannschaft gab mir den nötigen Ansporn und mein Trainer Wolfram Albrecht trägt einen sehr großen Anteil an meiner positiven Entwicklung.

Was macht Kegeln für euch aus?

Albrecht: Kegeln ist für mich ein Präzisionssport. Mich fasziniert dieses Streben nach Perfektion bei jedem einzelnen der 120 Würfe. Diese Kunst, den perfekten Wurf möglichst schnell zu finden und ihn dann quasi wie eine Maschine immer und immer wieder identisch wiederholen zu können, das begeistert mich eigentlich am meisten. Das bewundere ich auch bei den Weltklassespielern. Bei denen sieht ein Wurf aus wie der andere und die sind auch auf jeder Bahn herausragend. Das ist Wahnsinn. Außerdem fühle ich mich bei uns im Verein richtig wohl. Daran hat auch der Mannschaftsleiter Alf Schernikau einen großen Anteil, da er uns im jungen Alter in der 2. Bundesliga auf hohem Niveau kegeln lässt. Bei Heimspielen stehen die Fans hinter uns. Die Stimmung ruft auch bei vielen unserer Gäste Respekt hervor. Es macht einfach Spaß, vor dieser Kulisse zu kegeln.

Schulze: Kegeln bedeutet für mich alles. Ich habe riesigen Spaß, wenn ich auf der Bahn bin. Mir macht es Spaß, Teil eines erfolgreichen Teams zu sein.

Wo seht ihr euch leistungsmäßig? Ist noch Luft nach oben?

Albrecht: Bei uns beiden ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Meine Stärke ist momentan, dass ich sehr konstant auf gutem Niveau spiele. Ich habe bei den Ergebnissen wenige Ausreißer nach unten. Damit bin ich sehr zufrieden. Bis ich in zwei Jahren aus der U23- in die Herren-Altersklasse komme, möchte ich die Konstanz weiter verbessern und meine Ergebnisse noch um 10 bis 15 Holz erhöhen.

Dustin: Ich selbst sehe mich als kleine Wundertüte. An manchen Tagen kann ich mit allen mithalten. Dann gibt es wieder Phasen, wo ich merke, dass da noch viel Luft nach oben ist.

Was wollt ihr noch erreichen?

Albrecht: Als ich mit dem Kegeln begonnen habe, hatte ich drei Träume: In der 1. Bundesliga zu spielen, Deutscher Meister zu werden und mein Land in der Nationalmannschaft vertreten zu können. Mit dem Länderspiel 2014 konnte ich mir schon einen Traum erfüllen. Das war für mich der bisher größte Erfolg. Der aktuelle Deutsche Vizemeister-Titel kommt da schon nah dran.

Schulze: Der Deutsche Meistertitel wäre ein großer Traum. Mit dem dritten Platz bei der Dreibahnen-DM konnte ich schon mal ein kleines Ausrufezeichen setzen. Auch die Nationalmannschaft wäre ein Traum.

Gibt es andere Sportarten, die ihr treibt? Welche ist euer Favorit?

Albrecht: Ich bin Fußballfan und habe während der Schulzeit aktiv gespielt. Fußball und Kegeln passen auch gut zusammen. Beim Fußball kann man sich körperlich richtig auspowern und etwas für die Physis und Kondition tun. Beim Kegeln steht auf unserem Niveau eher der mentale Aspekt enorm im Vordergrund. Und da Kegeln eine eher einseitige Belastung ist – Rechtshänder belasten vor allem den linken Oberschenkel – stellt Fußball für mich als Rechtsfuß den passenden Gegenspieler dar. So komme ich insgesamt wieder ins Gleichgewicht und beanspruche mich nicht zu sehr einseitig. Leider habe ich derzeit aufgrund meines Studiums keine Zeit zum Kicken und versuche, meine Kondition durch Laufen und Besuche im Fitnessstudio aufrecht zu erhalten.

Schulze: Ich spiele leidenschaftlich gerne Volleyball, nur leider nicht mehr allzu regelmäßig.

Warum ist Kegeln euer Lieblingssport und nicht Fußball oder Handball?

Albrecht: Irgendwo ist das bei mir ein innerer Antrieb, kegeln zu wollen. Dazu kommt der Spaß und die Faszination, die die Sportart auf mich ausübt und die ich bereits beschrieben habe. Im direkten Vergleich zu Fußball oder Handball kann ein Kegler es nicht durch körperliche Härte ausgleichen, wenn er mal nicht im Spiel ist oder technische Defizite hat. Man muss die Ruhe bewahren und konzentriert bleiben. Im Kegeln ist man außerdem im Bereich der Verletzungen von anderen unabhängig. Fremdverschuldete Verletzungen kommen gar nicht vor. Und Verletzungen sind ohnehin viel seltener. Außerdem ist man beim Training unabhängiger, da man nicht in der Mannschaft trainieren muss.

Schulze: Wir Kegler sagen immer so schön: Fußball spielen kann jeder, doch nur die Elite kegelt. Ich möchte mich von anderen in meinem Alter abheben und Kegeln ist dafür eine gute Wahl. Mit dem SV Binde in der 2. Bundesliga und der starken 2. Mannschaft, in der ich gesetzt bin, kann man sich gut entwickeln und sich einen Namen machen. Beim Fußball hingegen bist du nur einer von vielen.

Wie oft und was trainiert ihr, um auf eurem Level zu kegeln?

Albrecht: Ich trainiere zwei Mal die Woche. Dazu kommen an den Wochenenden die Ligaspiele und Einzelwettkämpfe. In der Sommerpause ist es berufstechnisch etwas weniger, da dann die Haupterntezeit ist. Da sind zum Glück keine Wettkämpfe, sodass man zu der Zeit auch wirklich etwas pausieren kann. Neben dem Kegeltraining ist dann auch der Ausgleichssport wichtig. Das Training an sich unterscheidet sich nicht viel vom Wettkampfdurchlauf. Aber ich lege keinen großen Wert auf das Ergebnis, sondern auf die Technik. Ich versuche Feinheiten auszubessern. Mit der Zeit schleichen sich kleine Ungereimtheiten in den Bewegungsablauf ein, die ich im Training wieder ausbügele. Aufgrund des Studiums habe ich auch die Möglichkeit, mittwochs in Rostock zu trainieren und freitags in Binde oder Arendsee, je nachdem, welche Wettkämpfe anstehen. Durch die drei Trainingsbahnen kann ich das Umstellen auf verschiedene Bahnentypen trainieren.

Schulze: Wir trainieren genau so, wie wir in Wettkämpfen spielen (120 Wurf). Wenn mal eine Bahn oder ein Ansatz nicht passt, wird der nochmal trainiert, solange wie man lustig ist. Um konstant gut zu werden, sollte man schon mindestens zwei bis drei Mal pro Woche auf der Bahn stehen.

Gab es schon doofe Sprüche von euren Freunden oder neuen Bekannten über das Kegeln? Was antwortet ihr auf diese Sprüche?

Albrecht: Doofe Sprüche fallen mir keine ein. Entweder es gab keine oder ich habe sie verdrängt. Neue Bekannte sind meistens darüber erstaunt, dass es Leute gibt, die regelmäßig kegeln und es als Sport betreiben. Von engeren Freunden hört man eher, dass Kegeln langweilig sei. Da versuche ich dann, sie direkt zum Heimspiel einzuladen. Ich kann nachvollziehen, dass es für Außenstehende schwer zu verstehen ist, wie sich beim Kegeln die Spannung aufbaut. Das geht mir beim Poolbillard oder anderen Randsportarten genauso. Deshalb bin ich da gelassen.

Schulze: Sprüche wie: „Dustin schiebt eine ruhige Kugel“ sind keine Seltenheit, aber ich weiß, dass diese nicht böse gemeint sind und ich trotzdem respektiert und unterstützt werde.

Haben andere Vereine bei euch schon mal wegen eines Wechsels angefragt?

Albrecht: Anfragen gab es noch keine. Als ich allerdings bei Empor Rostock, dort kegel ich während der Woche, das erste Mal von der Bahn gekommen bin, lag quasi der Aufnahmeantrag bereits auf dem Tisch, da mein Ergebnis schon recht gut war. Sie haben es dann aber auch verstanden, dass ich beim SV Binde bleiben und 2. Bundesliga kegeln möchte.

Schulze: Direkt gefragt wurde ich nicht, aber in Gesprächen mit anderen Mannschaften hat man durch die Blume schon einige Angebote bekommen. Bei einem Punktspiel habe ich nur geäußert, dass mir die Bahn gefällt und dann kam nur zurück, dass sie einen Mitgliedsantrag holen würden.

Wann und wo kegelt ihr in der 1. Bundesliga?

Albrecht: Ich hoffe, bald in Arendsee mit dem SV Binde. Wir wollen auf jeden Fall an die grandiose Saison mit dem 2. Platz in der 2. Liga anknüpfen. Der Teamzusammenhalt, die Unterstützung der Fans sind Wahnsinn. Mal sehen, wie es in der nächsten Saison beim SV Binde aussieht.

Schulze: Wenn der SV Binde aufsteigen sollte, würde die Möglichkeit bestehen, in der 1. Bundesliga zu spielen. Dann muss natürlich der Teamleiter Alf Schernikau mir das Angebot machen. Schön wäre der Aufstieg natürlich und mit dem 2. Platz in der abgelaufenen Saison sollte dies auch irgendwann machbar sein. Aktuell bin ich sehr zufrieden mit meinem Stammplatz in der Verbandsliga beim SV Binde II und ein bis zwei Einsätzen pro Saison in der 2. Bundesliga. Ein Wechsel würde für mich nicht infrage kommen.