Der Turnverein Friedrich-Ludwig-Jahn feiert 125-jähriges Bestehen mit Frauenaktionstag

Namensänderung, Nachkriegsauflösung, das Zuhause exotischster Sportarten – der TV Jahn Salzwedel hat eine schillernde Geschichte. Mehr als 125 Jahre ist es her, dass sich 17 Männer zusammenfanden und den Turnverein gründeten. Um dieses Jubiläum zu würdigen, veranstaltet er am Sonnabend einen Frauenaktionstag.

Stadtmeisterschaften in Salzwedel im September 2011: Otto Bothe (links) und Reinhard Krüger als Friedrich Ludwig Jahn verkleidet. Foto: Oliver Becker

Salzwedel l Es ist der 2. Februar 1892. 17 sportbegeisterte Männer, überwiegend Kaufleute, sitzen zusammen und sind auf der Suche nach einem Namen. Einem Namen, gedacht für einen Turnverein, in dem sie nach ihrer körperlich schweren Arbeit einen sportlichen Ausgleich finden können.

Sie stimmen ab und kommen zu dem Schluss, dass sie sich Herkules Salzwedel nennen möchten. Bereits am 30. Januar 1892 war zudem festgelegt worden: Der erste Vorsitzende würde Herr Haase sein, dessen Vorname nicht überliefert ist, der jedoch sein Restaurant als Vereinslokal zur Verfügung stellt. Schnell einigen sich die Männer mit der Verwaltung und erwirken, dass sie fortan in der Agricola-Turnhalle trainieren dürfen. 30 Goldmark sind dafür fällig. Eine Sache jedoch stört sie. Der Vereinsname. Er scheint nicht so richtig zu passen. Doch dieses Problem ist schnell aus der Welt geschafft. Mit Beginn des 2. März 1892 heißt der Turnverein Friedrich-Ludwig-Jahn, benannt nach jenem Mann, der die deutsche Turnbewegung initiiert hat und überdies eine Salzwedeler Vergangenheit hat.

Mitglieder des TV Jahn und der Wohnsportgemeinschaft beim Turnen in der Turnhalle der Grundschule Jenny Marx. Fotos: Jörg Schulze VOLKSSTIMME

Aus der einst überschaubaren Runde wird nach und nach ein blühender Verein, der an Turnieren teilnimmt. Ob das 27. Altmärkische Gauturnfest im Juli 1898 das erste ist, klärt die Chronik des Vereins nicht. Doch im Wettturnen, bei dem 55 Sportler antreten, landet ein Herr Demmholz vom TV Jahn immerhin auf dem fünften Platz.

Frauen sollen gewürdigt werden

21 Jahre später. Es ist der 15. November 1919. Der TV Jahn gründet seine Frauenabteilung. Ein weiterer Meilenstein des Vereins, hat er doch bis heute einen hohen Anteil weiblicher Mitglieder. Aus diesem Grund sollen sie mit dem Frauenaktionstag am Sonnabend, 21. Oktober, gewürdigt werden. Ab 9.20 Uhr finden dann auf dem Gelände der berufsbildenden Schulen Workshops mit den verschiedensten sportlichen Betätigungen statt. Von Rhönradturnen über Badminton bis hin zu Bogenschießen ist vieles geboten. Anmelden kann sich jede interessierte Frau per E-Mail an frauensportaktionstag @jahn-tv.de.

Im Rahmen der Workshoprunden können sich Frauen am Sonnabend, 21. Oktober, auch mit dem Rhönrad versuchen.

Im Vordergrund steht inzwischen jedoch nicht mehr der Wettkampf, sondern vor allem der Spaß am Bewegen. Das war nicht immer so. Gerade zu Zeiten der Weimarer Republik und des Dritten Reichs nahmen Mitglieder des TV Jahn an vielen Wettbewerben teil, bevor nach dem Zweiten Weltkrieg auch der TV Jahn davon betroffen war, dass die damalige sowjetische Besatzungsmacht Vereine auflöste und ihre Konten beschlagnahmte.

Erst 1992 meldete sich der TV Jahn wieder als Verein an. In der Folge prägte vor allem Otto Bothe das Gesicht des Vereins, der seinerzeit selbst ein erfolgreicher Turner war. Vor etwa drei Jahren löste ihn dann Hagen Schulze als Vorsitzenden ab.

Was diesen am Verein fasziniert, ist insbesondere das Rhönradturnen. Schon seit 2007 ist er Übungsleiter. Was einst mit sieben Kindern begann, hat sich auf nunmehr 28 ausgedehnt, die ihm sehr am Herzen liegen. „Ich bezeichne uns als Familie, die für vieles entschädigt, was ein Ehrenamt an Aufwand mitbringt“, sagt er.

Doch hat der Verein nicht nur Rhönradturnen im Angebot. Egal, ob Floorball, Yoga oder Fußballtennis – der TV Jahn steht für Vielfalt. Nicht zuletzt deswegen hat der Verein konstant zirka 400 Mitglieder. Mit dem Frauenaktionstag begeht er nun einen weiteren Höhepunkt seiner Geschichte. Männer brauchen sich dennoch nicht vernachlässigt zu fühlen. „Weil einige sich scherzhaft beschwert haben, planen wir wahrscheinlich bald einen Männeraktionstag“, sagt Hagen Schulze mit einem Lächeln. Schon bald dürfte die Gleichbehandlung beider Geschlechter also wieder hergestellt sein. Und Frieden im Verein würde wohl auch die 17 Gründer von 1892 zufriedenstellen.