Katrin Pfannenschmidt seit einem Jahr Vorsitzende des SV Eintracht 09 Salzwedel

Sieben Abteilungen mit momentan 659 Mitgliedern, davon sind 310 Kinder – das ist der SV Eintracht 09 Salzwedel. Und an dessen Spitze steht seit etwas mehr als einem Jahr erstmals in der 105-jährigen Vereinsgeschichte eine Frau – Katrin Pfannenschmidt. Sie sagt: „Mir macht die Arbeit Spaß.“

 

(Quelle: Volksstimme:  Von Arno Zähringer

 

Katrin Pfannenschmidt ist seit einem Jahr Vorsitzende des SV Eintracht. Ihr macht die Arbeit Spaß, auch weil sie ein „tolles Team im Hintergrund“ hat. Foto: Arno Zähringer VOLKSSTIMME

Katrin Pfannenschmidt ist seit einem Jahr Vorsitzende des SV Eintracht. Ihr macht die Arbeit Spaß, auch weil sie ein „tolles Team im Hintergrund“ hat. Foto: Arno Zähringer VOLKSSTIMME

Salzwedel l Am 11. Mai 2015 übernahm Katrin Pfannenschmidt das Ruder von Jens Müller beim SV Eintracht 09 Salzwedel. Seitdem lenkt sie als Vorsitzende die Geschicke des Vereins. Anfangs hatte sie jedoch keine Vorstellung davon, welche Aufgaben auf sie zukommen werden. Inzwischen, sagt sie, sei sie aber angekommen, fühle sich als Chefin akzeptiert. Sie habe „sehr viel Unterstützung aus den Abteilungen und zwei sehr guten Fördervereinen“. Alle Beteiligten arbeiteten gemeinsam auf Augenhöhe – zum Wohle der Eintracht.

Ehrenamtliche halten den Verein am Leben

„Mir macht die Arbeit Spaß“, sagt Katrin Pfannenschmidt im Gespräch mit der Volksstimme am Rande des Sportplatzes Flora. Sie weiß aber auch: „Die Ehrenamtlichen halten den Verein am Leben.“ Deshalb sei sie froh, viele Leute im Hintergrund zu haben, die sie tatkräftig unterstützen und dazu beitragen, viele Probleme in Teamarbeit lösen zu können. Dazu gehörten natürlich auch Gunhild Wiswedel und Vera Neumann, die im Container, der auf der Flora steht, die Büroarbeit erledigen. Bis Dezember 2015 war das Büro des Vorstandes noch am Böddenstedter Weg untergebracht. „Der Umzug war zwar ein Kraftakt, aber er hat sich gelohnt.“ Auch finanziell, weil dadurch die Mietkosten gesenkt werden konnten.

Langfristiger Mietvertrag wäre wünschenswert

Ihre Aufgaben als Vorsitzende sieht Pfannenschmidt auch darin, „Strippen zu ziehen“. Dazu gehört, den Kontakt zu Stadt, Landkreis und dem Kreissportbund zu halten. Für den Verein wäre es beispielsweise wichtig, einen langfristigen Pachtvertrag über 10 bis 15 Jahre mit der Stadt für das Gelände abzuschließen. „Dann könnten wir Anträge auf Fördermittel stellen“, sagt Pfannenschmidt. Dies sei bisher nicht möglich, weil die Hansestadt bislang nur kurzfristige Verträge über ein bis zwei Jahre anbietet.

Stichwort Nachwuchs: Dies klappe in allen Abteilungen ganz gut. In den vergangenen fünf Jahren konnte die Zahl der Mitglieder um rund 33 Prozent erhöht werden. „Mit dieser tollen Entwicklung sind wir nun auch in der westlichen Altmark der größte Sportverein und auch mit der größten Nachwuchsarbeit“, freut sich die Vorsitzende.

Dass der Sport zu anderen Kulturen Brücken baut, den respektvollen Umgang mitein- ander lehrt und Toleranz fördert, das hat sich der SV Eintracht auch auf seine Vereinsfahnen geschrieben. Der Sport hebe die Grenzen zwischen verschiedenen Hautfarben, Glaubensrichtungen und Nationalitäten auf. „Im Vereinssport können alle Menschen erleben, dass sie willkommen sind“, sagt Pfannenschmidt. Insbesondere für die Kinder und Jugendlichen sei es nur von Vorteil, wenn ihnen grundlegende soziale Werte früh vermittelt werden.

Afghanen und Syrer sind im Verein integriert

„Unser Verein wird sich diesen Herausforderungen stellen. Wir machen keinen Unterschied zwischen Migranten, Menschen mit Migrationshintergrund, Asylsuchenden und Asylbewerbern“, umreißt die Vorsitzende das Credo der Eintracht. In dem Verein spielen afghanische und syrische Jugendliche gemeinsam Fußball. Der ehemalige und inzwischen aber wieder aktive Spieler Mohammetsadat, der 2014 mit der A-Jugend Landesmeister wurde, schaffe die Akzeptanz für die Eintracht in den zentralen Einrichtungen. Zudem stehe er als Übungsleiter und Dolmetscher zur Verfügung.

Altersmischung passt gut

Generell ist Pfannenschmidt voll des Lobes über die im Verein agierenden Übungs- und Abteilungsleiter sowie und ehrenamtlich Tätigen. „Wir haben hier die richtigen Leute, eine gute Altersmischung – das ergänzt sich gut.“

Doch trotz aller Zuversicht und Erfolge im sportlichen und Vereinsbereich, habe es auch negative Ereignisse gegeben. Dazu gehört das Pokal-Achtelfinalspiel auf der Flora gegen LOK Stendal im November. Dabei konnte die Polizei nur unter Körpereinsatz und mit Pfefferspray gewalttätige Fan-Ausschreitungen und einen möglichen Spielabbruch verhindern. Zudem wurden 21 Platzverweise ausgesprochen und 17 Anzeigen wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz erstattet. Dafür wurde der Verein mit einer Geldstrafe über 1500 Euro verurteilt. In der Berufung gelang immerhin eine Reduzierung auf 500 Euro.

Ausschluss war die richtige Entscheidung

Auch der Rausschmiss eines 18-Jährigen aus dem Verein hatte für Schlagzeilen gesorgt.Der Mann soll bei einer Demonstration der AfD in Magdeburg einen Journalisten mit Pfefferspray attackiert haben und an einem Überfall auf einen 21-Jährigen, der dabei schwer verletzt wurde, beteiligt gewesen sein. Pfannenschmidt hatte im Februar den sofortigen Ausschluss mit dessen polizeilich nachgewiesenen Taten begründet. „Von diesem Gewaltpotenzial und Ihrem öffentlichen Auftreten distanziert sich der Verein ausdrücklich“, hatte sie dem 18-Jährigen in einem Brief mitgeteilt. „Zu dieser Entscheidung stehe ich. Wir sind ein Team, das geht gar nicht anders.“

Und doch: Die Bilanz nach einem Jahr sieht für Pfannenschmidt positiv aus. Und sie kann sich durchaus eine Verlängerung ihres Engagements als Vorsitzende vorstellen. Auch im sportlichen Sektor hat Pfannenschmidt noch einiges vor. „Früher habe ich Zumba gemacht“, verrät sie. Und sollte sie ihren „inneren Schweinehund“ überwinden, dann will sie wieder angreifen. „Ich nehme es mir jedenfalls ganz fest vor.“

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