Nach Gründung schon 1928/29 Gaumeister der 2. Klasse / Fußball seit Jahren die Hauptsportart / Großbrand ein empfindlicher Einschnitt

Der SV Schwalbe Schwiesau hat es geschafft. Satte 100 Jahre existiert der Klub aus der Altmark West bereits. Die Volksstimme gratuliert dem Klub aus Klötze und sprach mit den aktuellen Sportvorständen Franz und Andreas Beneke über die historische Entwicklung des Vereins und die monumentale Bedeutung der „Schwalben“ für den Standort Schwiesau.

Die Sportvorstände Andreas (links) und Franz Beneke vor dem Vereinslogo. Fotos: Fabian Schönrock

Schwiesau l Kein geringerer als Vereinsikone Andreas Beneke begrüßt die „Volksstimme“ mit der Intention, über das unglaublich historische Ereignis des einhundertjährigen Bestehens zu sprechen.

„Da ist eine Menge passiert“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Schwalben mit einem Lächeln auf den Lippen. Beneke selbst ist mit dem SV Schwalbe Schwiesau als Kind aufgewachsen, hat etliche Jahre mit den Schwalben auf dem Buckel und hält im Alter von 49 Jahren dem Verein weiterhin die Treue.

Engagiert repräsentiert er zusammen mit seinem Neffen Franz Beneke den Verein, der sich von Anbeginn der Gründerzeiten bis in die Gegenwart, auf den Volkssport Fußball spezialisierte. Dem Anlass gebührend, plante der Verein angemessene Feierlichkeiten, die aufgrund der Corona-Pandemie ins Wasser fielen.

Die Schwiesauer Kicker waren Anfang der 2000er Jahre sehr erfolgreich. 2006 gelang den Schwalben nach der Kreismeisterschaft sogar der Aufstieg in die Fußball-Landesklasse, Staffel 1.

„Die Feier war für zwei Juli-Wochenenden geplant. Dort wollten wir als aktuelle Mannschaft der Kreisoberliga gegen die ehemaligen Spieler aus der Landesklassezeit am ersten Juli-Wochenende spielen und den Auftakt der Feierlichkeiten beginnen. Das Wochenende darauf wollten wir Schnupperkurse für Zumba und Rehasport anbieten. Dazu sollte ein gemütliches Beisammensein mit Grillen und Zelten stattfinden. Alle 130 Mitglieder sollten dabei sein. Es sollten Jugend, Frauen-Volleyball- und Schießturniere stattfinden. Für Kinder sollte es zudem ein Kinderschminken geben. Das Programm war sehr umfangreich geplant“, schildert Franz Beneke.

Das gesamte Dorf wollte sich engagieren und an den Festivitäten mit unter anderem selbst gebackenem Kuchen beteiligen. Die große Sause findet im Jahr 2020 jedoch nicht mehr statt.

Aufgeschoben, ist jedoch nicht aufgehoben. Der 2.Juli 2021 soll als Nachholtermin für die 100. Geburtstagsparty des Vereins herhalten. So negativ und traurig die Schwiesauer in den Tagen der Corona-Krise gestimmt sind, so positiv ist zumindest ein begleitender Nebeneffekt: Das Bewusstsein über das stolze Alter des Klubs wurde umso eminenter abgerufen.

Die Schwiesauer Frauenmannschaft bereichert seit einigen Jahren die Vereinslandschaft. Momentan agieren sie auf dem Kleinfeld.

„Dadurch, dass die Feiern durch Corona verboten wurden, schärft das Ganze nochmal die Sinne. Die einhundert Jahre sind unglaublich. Wahnsinn. Die Vorgänger die vor uns als erstes da waren, haben es unglaublich gut gemacht. Über Jahrzehnte haben sie alles am Laufen gehalten. Da kann man nur den Hut ziehen. Die wären sicherlich stolz, dies heute zu sehen. Vor dem Hintergrund, dass mein Opa das schon im Verein über Jahre gemacht hat, macht mich das umso stolzer“, so Franz Beneke.

Benekes Opa erlebte noch die Feier zum 95.Geburtstag der Schwalben, bevor ihn das Zeitliche segnete. Das aktuell älteste Mitglied, das den 100-jährigen Geburtstag der Schwalben miterlebt, ist 85 Jahre alt.

In exakt einem Jahrhundert, konnten sich jede Menge Titel ansammeln. Der nachweislich älteste Titel datiert aus dem Jahr 1929. Der SV Schwalbe Schwiesau gehörte zur damaligen Zeit dem Gaukreis an und gewann die Gaumeisterschaft. Der Fußballplatz der Mannschaft stand zu jener Zeit noch an einem anderen Standort. Auf dem Karrenweg und dem Maschberg spielten die Schwalben und sollten bis in die Gegenwart noch mindestens ein weiteres Mal umziehen. Zur damaligen Zeit gab es keine Kabinen. Die Sportler zogen sich im Wald um.

Der aktuelle Fußballplatz der Schwalben wurde erst 1992 in der Form fertiggestellt, wie ihn seine Besucher kennen. Der Rasen, der vormals parallel zur Durchgangsstraße verlief, musste allerdings um 40 Meter eingekürzt werden. Der Platzeigentümer meldete Besitzansprüche an. Die Besitz – und Eigentumsverhältnisse der Flächen veränderten sich durch die Geltendmachung des Bodenanspruchs. Mit einer Sondergenehmigung durften die Schwalben auf dem neuen verkürzten Platz spielen. An der Stelle des einstigen Platzes, trainieren in der heutigen Zeit die Schwalben-Kicker. An der einstigen Sechzehnmeterraumlinie der 1980-er Jahre, steht heute ein bewohntes Stück Siedlung.

Durch Fördermittel konnte der Platz in den 90ern konstruiert werden. Dafür benötigten die Schwalben allerdings nicht nur Geld, sondern eine Sondergenehmigung. Diese gab es nur mit dem Eigentumsnachweis von Grund und Boden oder über Erdbauvertrag. Mit dem Erdbauvertrag, der über 20 Jahre läuft, sind die Eigentumsrechte geregelt. Haupteigentümer des Platzes ist die Stadt Klötze, die den Platz zur Verfügung stellte und dem Erdbauvertrag seine Zustimmung erteilte. Diese rechtliche Ratifizierung war Bedingung für die Schwalben, um rechtlich konform Fußballspiele austragen zu dürfen.

„Das war mit extremer Anstrengung verbunden. Das zu regeln und den Vertrag aufzusetzen, bedeutete viel Arbeit. Das zu beantragen war aber von Erfolg gekrönt, denn wir bekamen dadurch Fördermittel in Höhe von 34.000 Euro. Damit haben wir die Bewässerungsanlage und die Duschboiler ohne Eigenmittel finanzieren können. Das war im Jahr 2018“, so Franz Beneke.

Das Geld konnten die Schwalben gut gebrauchen. Die bewegte Vereinsgeschichte erfuhr ein bitteres Kapitel im Jahr 2018. Aufgrund eines Brandes der vereinseigenen Sauna während des Ligaspiels in der Kreisoberliga gegen Rot-Blau Sanne, musste das Vereinsheim komplett saniert werden.

„Letzten Endes ist mit diesem Fall alles durch. Aber es war ein schwieriges Unterfangen, das zu regeln. Vor allem war es schwer, diesen Fall der Versicherung zu erklären. Wir mussten lange Zeit für die Heimspiele nach Jeggau ausweichen und auch dort trainieren. Mit den Folgen des Brandes haben wir bis in die Gegenwart zu kämpfen gehabt“, so Andreas Beneke.

Und so erinnern sich Andreas und Franz Beneke lieber an die goldenen Tage. Stolz blicken beide auf gemeinschaftliche Erlebnisse der jüngeren Vergangenheit mit den Schwalben zurück.

Seit vielen Jahren sind die Altheren aus Schwiesau eine feste Größe im Fußballkreis.

Von den traditionellen Winterwanderungen über zehn Kilometer mit den Initiatoren Beatrice Schulze und Sabine Preetz, über den spektakulären Ruderboot-Fasstransport am 2. Juli 2013 bis hin zum Karnevalssingen des Frauenchores war vieles vertreten, dass auch heute noch positiv in Erinnerung bleibt und das Gemeinschaftsgefühl des Vereins festigte.

„Ohne den Verein wäre es düster. Zumal die Freiwillige Feuerwehr auch nicht mehr im Ort ist und ausgeschieden ist“, so Franz Beneke. „Man lebt dort. Wir identifizieren uns mit dem Verein. Der Verein ist etabliert in der Organisation von Festivitäten wie Maibaumaufstellen, Osterfeuer und anderen Ereignissen, die auf die Beine gestellt werden. Das wurde immer gut angenommen im Dorf. Der SV Schwalbe ist das Zentrum des Ortes. Im Vorstand sind wir sehr aktiv. Wir treffen uns alle vier Wochen und tauschen uns aus.“

Aus sportlicher Perspektive konnten die Schwalben im Ort Schwiesau ebenfalls punkten. Die aus Sicht der Fußballabteilung prägendste Epoche, bildete der Aufstieg in der Saison 2005/2006 in die Landesklasse und den dortigen Aufenthalt über zwei Jahre. Im Jahr 2010 wurden zudem die Alten Herren Kreismeister und fuhren im selben Jahr noch zu den Landesmeisterschaften nach Bernburg.

Erfolge feierte der SVS nicht wenige. Weshalb der Sportverein seine Erfolge mit der Schwalbe im Vereinsnamen feierte, macht jedoch neugierig. Die Herkunft des Vereinsnamen „Schwalbe“ leitet sich nicht nur anhand des Vereinswappens ab, sondern basiert auf grundsätzlichen Attributen der Schwalbe.

„Schwalben sind schnell, flink und fliegen immer höher und höher. Das passt doch zu Fußballspielern auf dem Rasen. Außerdem fliegt die ein oder andere Schwalbe auch auf dem Trainingsgelände“, erklärt Franz Beneke den kuriosen Vereinsnamen.

Doch dies war nicht immer so. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Verein in Anlehnung an die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft des DDR-Regimes als „BSG Traktor“ Schwiesau geführt. Dies änderte sich mit der Wende im Jahr 1990. Zwei Jahre später traten die Schwiesauer als der SV Schwalbe Schwiesau dem Kreissportbund Altmark West bei. Die Vereinsfarben blau,weiß und schwarz erklären sich plausibel. Die Farbe „blau“ steht für den Himmel, die Farben schwarz und weiß für die Farben des Dorfwappens.

Die Zukunft des Vereins hängt von der Personalsituation bei den Fußballmännern, Fußballfrauen und der Fußballjugend ab, vor allem aber von der Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement und vom Wohlfühlfaktor der Sportler.

„Wir wollen, dass sich die Spieler wohl fühlen. Wir achten auf den Charakter der Spieler. Wir würdigen auch das Engagement unserer Ehrenamtler wie Karsten Schulz, der es mit der Frauenmannschaft toll macht. Wir haben mit Kaufland einen Kooperationsvertrag über drei Jahre abgeschlossen. Die haben unsere damalige F-Jugend mit Sporttrikots ausgerüstet. Tino Banse und Can Isik kümmern sich um den Jahrgang, der nun im D-Jugend-Nachwuchs aktiv ist. Toni Müller, Mario Seidenberg kümmert sich mit Senol Isik um die Herren. Abseits des Platzes Achim Güster. Er kümmert sich zum Beispiel um den Platz als Zeugwart und um den Ausschank. Alle ziehen super mit. Dieser Zusammenhalt und die Identifikation mit dem Verein, macht uns stark“, so der ehemalige Landesklasse-Torhüter Andreas Beneke.

Der SV Schwalbe Schwiesau hat Höhen und Tiefen durchschritten, dynamische Prozesse und ein starkes Miteinander erlebt. Viel Positives brachte der Verein in der unmittelbaren Gegenwart in Bewegung. Mit seinen 100-Jahren ist der SVS kaum wegzudenken aus der Altmark-West. Dem Verein aus Klötze ist es zu gönnen, nach Beendigung der Corona-Pause die Gläser zu heben und einen Toast auf lang gelebte Tradition auszusprechen.

Von Fabian Schönrock VOLKSSTIMME